Sonntag, 21. September 2014

Rezension: Ein Buchladen zum Verlieben von Katarina Bivald




Autor: Katarina Bivald
Originaltitel: Läsarna i Broken Wheel rekommenderar
Genre: Gegenwartsliteratur
Verlag: btb Verlag
Erschienen: 11. August 2014
ISBN: 978-3-4427-5456-4
Gebundene Ausgabe:
448 Seiten; 19,99€
Bestellen: HIER


Ein Buchladen zum Einschlafen







"Es beginnt mit einer ungewöhnlichen Brieffreundschaft. Die 65-jährige Amy aus Iowa und die 28-jährige Sara aus Schweden verbindet eines: Sie lieben Bücher – mehr noch als Menschen. Begeistert beschließt die arbeitslose Sara, ihre Seelenverwandte zu besuchen. Als sie jedoch in Broken Wheel ankommt, ist Amy tot. Und Sara plötzlich mutterseelenallein. Mitten in der Einöde. Irgendwo in Iowa. Doch Sara lässt sich nicht unterkriegen und eröffnet mit Amys Büchersammlung einen Laden. Und sie erfindet neue Kategorien, um den verschlafenen Ort für Bücher zu begeistern: »Die verlässlichsten Autoren«, »Keine unnötigen Wörter«, »Für Freitagabende«, »Gemütliche Sonntage im Bett«. Ihre Empfehlungen sind so skurril und liebenswert wie die Einwohner selbst. Und allmählich beginnen die Menschen aus Broken Wheel tatsächlich zu lesen – während Sara erkennt, dass es noch etwas anderes im Leben gibt außer Büchern. Zum Beispiel einen ziemlich leibhaftigen Mr. Darcy..."







Auf dieses Buch haben sich viele gefreut. Ein Buch über Bücher - oder konkret: Über einen Buchladen! Nur leider reicht die Tatsache, dass es um Bücher geht und aus bekannten Büchern schön zitiert wird nicht aus, um selbst ein gutes Buch zu erschaffen.
Dafür bedarf es noch viel mehr Zutaten, wie z.B. schlüssige Charaktere, eine schlüssige Charakterentwicklung, einen guten Spannungsbogen, eine logische Story usw..
Da ich eine Bloggerin bin, lese ich ein Buch durchschnittlich in drei bis fünf Tagen.
Für "Ein  Buchladen zum Verlieben" habe ich ganze drei Wochen gebraucht. Das liegt vor allem daran, dass ich gerne abends lese und bei dem vorliegenden Buch nach drei Seiten eingeschlafen bin.
Es war ein wahrer Kampf!

Im Folgenden erkläre ich, warum ich dieses Buch "zum Einschlafen" finde.

Eine der Hauptschuldigen dafür ist die Hauptperson Sara. Sie ist noch relativ jung und kommt aus Schweden. Dort hatte sie einen Buchladen und hat sich schon immer lieber hinter Büchern versteckt, als mit Menschen zu reden. Das wars. Mehr Eigenschaften werden ihr von der Autorin nicht zugeschrieben. Die stille und mausgraue Sara, deren Gedanken eigentlich nur um Bücher kreisen und die auch sonst weder besondere Vorlieben, Stärken, Schwächen oder Eigenarten hat ist ziemlich schwer ins Herz zu schließen. Sie ließ mich als Leser völlig kalt, da ich sie einfach nur langweilig fand. Dementsprechend uninteressant ist ihre ganze Geschichte, allen voran ihre Liebesgeschichte. Mit ist völlig schleierhaft, warum sich ein Mr. Darcy für sie interessieren sollte. Ebenso rätselhaft bleibt die Tatsache, dass sie einem verschlafenen Dorf wieder neues Leben einhauchen kann, sodass die Dorfbewohner alles tun, um Sara zum Bleiben zu bewegen. Saras eigenes Leben und Wesen und derart langweilig, dass sie die meiste Zeit ziemlich passiv ist und eher an einen Statisten erinnert.

Umso überraschender ist, dass auf die Vergangenheit und Persönlichkeit der Nebenfiguren sehr detailiert eingegangen wird. Sie erscheinen einem - bis auf ein paar überzogene Charakterentwicklungen - sehr lebensnah.

Die Story an für sich hat leider sehr viele Schwächen und Längen. Letztendlich geht es in dem Buch um die kleine Stadt Broken Wheel. Sie ist dem Zerfall nahe, da immer mehr Geschäfte zumachen und junge Leute wegziehen. Die Geschichte dreht sich darum, dass die Stadt doch noch gerettet wird und die Bewohner aus ihrem verschlafenen Trott geholt werden.
So weit, so gut, nur leider lässt sich überhaupt nicht nachvollziehen, warum und wie die Stadt gerettet wird. Es soll wohl darauf hinauslaufen, dass Sara mit ihrem Buchladen neuen Wind in die Gemeinde von Broken Wheel bringt, aber sie das wirklich irgendwo getan hat, habe ich als Leser es wohl verschlafen.
Vor allem im zweiten Teil des Buches sind viele Geschehnisse und Entwicklungen ziemlich an den Haaren herbeigezogen.

Als letztes sind noch die endlosen Monolge zu erwähnen, die zusätzlich einschläfernd wirken. Vor allem Saras Gedankengänge sind einfach nur ermüdend. Viel zu oft habe ich mich dabei ertappt, wie ich während solcher Monologe mit den Gedanken zu meiner nächsten Einkaufsliste oder der Abendplanung abschweife.

Der Schreibstil hat mir persönlich auch nicht so gefallen. Er war zwischendurch ein bisschen holprig und der Satzbau manchmal zu kompliziert. Der inflatioinäre von ein paar Wörtchen hat die Sprache nicht gerade verbessert, lässt sich aber vielleicht auf den Übersetzer schieben.

Ich kann das Buch für jedes Alter empfehlen, vorrausgesetzt man leidet unter Schlafproblemen. So ausgeschlafen, wie in den letzten drei Wochen war ich lange nicht mehr.







Für mich eine der größten Enttäuschungen des Jahres, denn wo es diesem Buch an Logik, Spannung und Teife mangelt fehlt ebenso jedweder Unterhaltungswert. Ein blasser Hauptcharakter, Logiklücken in der Story und ein zäher Schreibstil paaren sich mit einschläfernden Monologen und wenig Kreativität. Das war auch nicht mehr von sympathischen und charakterstarken Nebendarstellern zu retten.
Von mir gibt es also die ganz klare Empfehlung, dieses Buch nicht zu kaufen, außer als Einschlafhilfe.
2/5 Schmetterlingen für einen Buchladen zum Einschlafen
Vielen Dank an LovelyBooks.de und den btb-Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars

Kommentare:

  1. Liebe Souci,
    das Buch habe ich auch vor Kurzem beendet und finde es ganz gut, wenn man nicht allzu viel erwartet ;) Ein paar Aspekte in deiner Rezension sehe ich ähnlich, doch interessiert mich noch, welche Stellen du als "an den Haaren herbeigezogen" siehst? Für mich gab es da ein/zwei Stellen, wo mir beim Lesen aufgefallen ist, dass das jetzt so nicht unbedingt stimmen kann, da die Autorin einige Kapitel zuvor etwas anderes geschrieben hat...?! Ich kann es nur nicht mehr nachvollziehen ;-P (ich hab sie mir leider nicht markiert...)
    Liebe Grüße
    Francine

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Francine,
      leider habe ich mr auch keine Seiten herausgeschrieben. Aber es waren viele Wenungen, die mir "an den Haaren herbeigezogen" vorkamen. Es war mir, als hätte man altbekannte Zutaten zusammengemischt, aber nicht auf die richtige Stimmigkeit geachtet.
      SPOILER ANFANG
      ********************************************************************
      Z.B. die Tatsache, dass Caroline vom einen auf den anderen Tag "nur" wegen einem Buch ein Verhätlnis mit einem viel jüngeren Mann anfängt. Das passte für mich absolut nicht zu ihrem Charakter und wirkte eher gekünstelt. Es war als wollte die Autorin unbedingt, dass Caroline eine 180 Grad Wendung macht. Aber nachvollziehen konnte ich das nicht.
      Das gleiche betrifft den Heiratsantrag des Dorfes. Es war zwar eine nette Idee, wirkte an der Stelle aber eher aufgesetzt. Für mich kam nicht rüber, was das Dorf an Sara findet.
      Und Tom war mir von Anfang bis Ende ein Rätsel.
      ********************************************************************
      SPOILER ENDE
      Ich hofffe, dass hat deine Frage ein bisschen beantwortet. Es ab bestimmt noch kleine Stellen zwischendurch, die nicht ganz stimmig waren, wie du sagtest. Nur diese großen haben mich am meisten gestört.

      Liebe Grüße
      Souci

      Löschen