Autor: Jennifer Benkau
Originalsprache: Deustch
Verlag: Sieben-Verlag
Erschienen: 12. Juni 2010
ISBN: 978-3-9415-4702-5
Broschiert: 408 Seiten; 14,90€
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Dieses Buch ist wahrlich ein Traum
… und außerdem nicht mehr aus der Hand zu legen.
„Ich habe dir den Schlüssel zu einer Tür geschenkt, hinter der meine größte
Angst gefangen ist. Vielleicht brauchst du ihn mal.“ (Nicholas, S. 260, Nybbas
Träume)
Zum Inhalt:
Sie nennen ihn Nicholas, doch wer er
wirklich ist, ahnt niemand. Sein Aussehen ist atemberaubend, sein Charme lässt
allerdings zu wünschen übrig. Seine Berührungen sind so absolut
unwiderstehlich, wie sein Schatten tödlich sein kann. Er ist ein Wesen, das nur
einen Feind kennt: die Clerica, Dämonenjäger, die seine Art seit Jahrhunderten
jagen, bannen und töten. Nach einem herben Schicksalsschlag verfällt Joana mehr
und mehr der Gleichgültigkeit, und merkt erst wie wertvoll ihr das Leben ist, als
Nicholas es in ernsthafte Gefahr bringt. Denn im Körper des faszinierenden
Mannes verbirgt sich der Nybbas. Ein Dämon, der sich von Emotionen ernährt und
nichts so sehr liebt, wie das Spiel mit seinem Opfer. Nach ihrer Begegnung
gerät Joana zwischen die Fronten von Gut und Böse, und muss eine schwere
Entscheidung treffen.
Meine Meinung:
Seinen Opfern raubt der Nybbas Gefühle und Emotionen, den Lesern raubt er den
Schlaf.
Diesmal keine Vampire, Werwölfe,
Gestaltenwandler, Unsterblichenkrieger… nein: Dämonen, Schattendämonen! Sie
nehmen von anderer Leute Körper Besitz um den Clerican zu entkommen und
besseren Zugang zu ihrer menschlichen Beute zu haben. Denn nur ihre menschliche
Hülle ist auch auf menschliche Nahrung angewiesen, doch der Schatten, der sich
in ihr verbirgt, verlangt nach der Lebensessenz seiner Opfer. Dieser mörderischen
und selbstsüchtigen Spezies gehört auch der Nybbas an.
Bevorzugte Nahrung:
Emotionen in allen Geschmacksrichtungen, mit einer leichten Eifersucht-Intoleranz.
Bis zur Gefühlslosigkeit kann er seine Opfer aussaugen, natürlich nicht ohne vorher
noch ein bisschen mit ihnen zu spielen. Er passt sich den Menschen an,
durchschaut sie und manipuliert sie – ein echter Gaukler halt. Auch vor Morden
schreckt der sympathische Dämon nicht zurück… Halt! Sympathisch? Während welches
Kapitels dieses Buches habe ich eigentlich Sympathie für einen Mörder und
Seelenräuber entwickelt? Gar nicht. Und das ist der Punkt.
Die Autorin lässt dem Nybbas
viel Raum, um sich zu verändern und weiterzuentwickeln. Leider oder zum Glück
(ich konnte mich bis jetzt nicht entscheiden) verläuft seine Entwicklung nicht
nach Schema X, sprich: böser Junge sieht gutes Mädchen, verliebt sich Hals über
Kopf in sie und gehört ab sofort auch zu den Guten. Nein, so dynamisch der
Charakter des Nybbas sich auch entwickelt, so geheimnisvoll, vielschichtig und
interessant bleibt er auch. Das heißt also, zu Joanas Leidwesen trifft ihn weder
die alles aufopfernde Liebe-auf-den-ersten-Blick, noch ein magischer Blitz
oder sonstiger Zauber, die ihn zu Mr. Perfect machen und Joanas (und des
Lesers) eigene Moralvorstellungen einverleiben. Der ganze mühselige
Verwandlungsprozess muss von Joana angetrieben werden. Muss? Hat sie sich nicht
in genau diesen Nicolas/Nybbas verliebt? Sollte sie ihn jetzt verändern wollen?
Moral und Liebe streiten nicht nur in der jungen Frau, sondern auch der Leser
rätselt mit, ob er sein Herz nicht einer eingebildeten Idealvorstellung
verschrieben hat. Kann Joana denn wirklich die Seite an ihm ignorieren, der
jede Faser ihres Körpers – und auch des Erben, dass sie in sich trägt –
widerspricht? Auf jeden Fall muss Joana sich schnell entscheiden, wie sie mit ihren neu gewonnenen Gefühlen umgehen will, denn das Böse
schläft nicht. Vor allem, wenn es in Begriff ist, einen seiner besten
Mitstreiter an die Liebe zu verlieren.
Sympathisch oder nicht? Das muss wohl jeder am Ende für sich selbst
entscheiden.
Für mich liegt hier der einzige Kritikpunkt. Ich wollte mir während des Lesens
nicht erlauben für einen Mörder, der Unschuldige umbringt und seine Taten nicht
bereut, Sympathie zu empfinden. So hat sich in meinen Augen der Charakter des
Nybbas in den eines einfühlsamen und selbstlosen Geliebten und den eines
gefühlskalten und selbstsüchtigen Mörders gespalten. Wegen dem Fehlen der
Reue. Aber die kommt ja vielleicht noch in Band 2.
Die Charaktere von Joana, der
taffen, starken und schlagfertigen Heldin, Nicholas, dem untypischen teil-sympatischen
Antihelden, aber auch von den Antagonisten (Alexander, Lillian,…) und nicht zu
vergessen dem charmanten Racheengel Elias (von dem ich gerne noch mehr lesen
würde), sind präzise, detailliert und nachvollziehbar gezeichnet. Die neue und
gefährliche Welt der Dämonen reißt nicht nur Joana sofort mit.
Jennifer Benkau zieht den Leser mit
ihrem Schreibstil und ihren ausgeschmückten, aber stets direkten Formulierungen
in den Bann und lässt ihn nicht los, bis er nicht auch die letzte Seite gelesen
hat. Besonders während des langen und besonders spannenden Show-Downs, mit
vielen überraschenden Wendungen, klebt
einem das Buch buchstäblich an der Hand.
Das Ende dagegen ist sehr ausgewogen zwischen Entspannung (der Leser darf
endlich wieder zu Atem kommen) und neuen Geheimnissen, die vermutlich/hoffentlich
in den nächsten beiden Bänden gelüftet werden. Die Autorin versteht es auch, den
Leser am Schluss an anfängliche Rätsel zu erinnern, sodass er sich in dem guten
Gewissen befindet, dass die Geschichte von Joana und dem Nybbas noch lange
nicht zu Ende ist.
Zur Autorin:
Mit ihrem Debütroman „
Nybbas Träume“ ebnet Jennifer Benkau den Weg in
die Nybbas-Triologie. Mit ihrer flüssigen Sprache und ihrem Einfallsreichtum
sahnt sie auch mit „
Phoenixfluch“ und ihrer Neuerscheinung
„Dark Canopy“ jede
Menge gute Kritik ab.
Die Nybbas-Reihe im Überblick:
-
01 Nybbas Träume
-
02 Nybbas Nächte
-
03 Nybbas Blut
Mein Fazit:
„Warum nur muss alles Kostbare sterblich sein und enden?
Weil das die Dinge wertvoll macht, beantwortete er sich selbst seine Frage. Die
Vergänglichkeit, die jedem Augenblick Bedeutung beimisst.“(S. 405, Nybbas
Träume)
Wie passen Gut und Böse zusammen? Und wer überwiegt am Ende? Mit „Nybbas
Träume“ legt Jennifer Benkau ein wahrlich traumhaftes Debüt hin.
Der Nybbas
giert nach Emotionen und der Leser nach den Fortsetzungen.
Meine Bewertung:
Buchtrailer:
HIER liest die Autorin aus den ersten Seiten des Buches