Dienstag, 17. Februar 2015

Rezension: Vollendet (Band 1) von Neal Shusterman



Autor: Neal Shusterman
Originaltitel: Unwind (Unwind Dystology Book 1)
Genre: Dystopie, Jugendbuch
Reihe (Rezensionen im Garten)

  • Band 1: Vollendet
    Verlag: FISCHER Sauerländer
    Erschienen: 21 November 2014
    ISBN: 978-3-7335-0029-0
    Taschenbuch: 432 Seiten; 8,99€
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    Zwischen Grauen und Grübeln










    "Der 16-jährige Connor hat ständig Ärger. Risa lebt in einem überfüllten Waisenhaus. Lev ist das wohlbehütete Kind strenggläubiger Eltern. So unterschiedlich die drei auch sind, eines haben sie gemeinsam: Sie sind auf der Flucht. Vor einem Staat, in dem Eltern ihre Kinder im Alter von 13 bis 18 Jahren umwandeln lassen können. Die Umwandlung ist schmerzfrei. Jeder Teil des Körpers lebt als Organspende in einem anderen Organismus weiter. Aber wenn jeder Teil von dir am Leben ist, nur eben in jemand anderem ... lebst du dann, oder bist du tot?"








    Was ich heutzutage bei vielen Jugenddystopien vermisse, ist die Aussage hinter der Geschichte und die reale Bedrohung, die angesprochen wird.
    Auch bei „Vollendet“ hatte ich anfangs meine Zweifel:
    Es entbehrt für mich jeder Vorstellung, dass die Zerlegung von Jugendlichen in ferner Zukunft in solch einem Umfang legal praktiziert wird. Es ist falsch und ich glaube, dass sich zu jeder Zeit genug Menschen finden, die das auch als unmenschlich erachten.
    Doch dann erkannte ich, dass es diesmal nicht um eine realistische Zukunftsvision geht…

    Einmal angefangen, lässt sich "Vollendet" nicht mehr aus der Hand legen. Spannung und Emotionen jagen einander und nehmen den Leser haltlos gefangen.

    Das liegt zum einen an dem tollen Schreibstil und den liebenswürdigen Charakteren, sowie der interessanten Charakterentwicklung. Zum anderen an der heiklen Thematik, die der Autor uns schonungslos vorhält. Fragestellungen zur Abtreibung, dem Recht auf Leben, Organspende und -handel, sowie Verantwortung gegenüber den Kindern und Jugendlichen rechtfertigen dieses ausgedachte Zukunftsszenario.

    Neal Shusterman hat einen einfachen, aber sehr direkten Schreibstil.
    In jedem Kapitel wird der Augenmerk besonders auf eine bestimmte Person gelegt, deren Name die jeweilige Kapitelüberschrift darstellt. Dabei wurde der Autor ziemlich kreativ, denn dem Leser begegnen zuweilen auch Kapitelüberschriften wie "Der Wachmann" oder sogar einen Gebäudenamen. Sehr gute Idee, die eindeutig Spannung aufbaut und neue Hinweise streut!

    Am meisten haben mir allerdings die Charaktere gefallen. Die Jugendlichen sind sehr intensiv gezeichnet und vor allem mit den drei Hauptpersonen kann der Leser sich schnell identifizieren. Umso mehr berührt ihr Schicksal und ihre Flucht.
    Bemerkenswert ist die Authentizität der Jugendlichen, trotz der fiktiven Geschichte. Connor ist nicht von Anfang an der toughe Held - er muss erst zu einem werden. Alle Jugendlichen wirken durch ihre Ecken und Kanten realistisch und lebensecht.

    Jugendliche - ja, fast noch Kinder - werden operativ auseinander genommen, sodass ihre Körperteile in Krankenhäusern nach Bedarf an andere Menschen angenäht werden können (das ist in dieser Zukunftsvision möglich!). Dieses Frankenstein-Szenario mit seinen berührenden Schicksalen kann teilweise sehr an den Nerven zerren und gehörig gruseln.
    Deswegen empfehle ich das Buch erst ab 16 Jahren an Leser, die sich auf ein wenig Grusel, Spannung und intensive Themen einstellen.







    Das Buch hat mir sehr gefallen, auch wenn ich einige Seiten brauchte, um in die Geschichte hineinzufinden.
    Die ernsten Thematiken, die unterschwellig immer wieder angesprochen werden verleihen der Dystopie einen Sinn und eine Aussage, die in diesem Genre nicht mehr selbstverständlich ist.
    Als Leser durfte ich die drei Hauptcharaktere, sowie viele interessante Nebencharaktere durch spannende Auf's und Ab's begleiten, während ich nach einem dramatischen Ende nun ganz gespannt auf den nächsten Teil bin.

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