Freitag, 27. Juni 2014

Rezension: Das verbotene Eden - David und Juna (Buch 1)




Autor: Thomas Thiemeyer
Genre: Dystopie/Jugendbuch
Reihe (Rezensionen im Garten)
Verlag: PAN Verlag
Erschienen: 22. August 2011
ISBN: 978-3-4262-8360-8
Gebundene Ausgabe: 464 Seiten; vergriffen || Taschenbuch: 9,99€
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Wenig Dystopie - dafür viel Spannung und Faszination






"Männer und Frauen.
Feuer und Wasser.
David und Juna.

Die Menschheit steht kurz vor ihrem Ende. Seit den »dunklen Jahren« leben Männer und Frauen in erbitterter Feindschaft. Die Zivilisation ist untergegangen: Während die Männer in den Ruinen der alten Städte hausen, haben die Frauen in der wilden Natur ein neues Leben angefangen.

Nichts scheint undenkbarer und gefährlicher in dieser Welt als die Liebe zwischen der 17-jährigen Kriegerin Juna und dem jungen Mönch David. Und doch ist sie der letzte Hoffnungsschimmer..."








Es sind schon ein paar Jahre seit Erscheinen dieses Buches vergangen, aber pünktlich vor dem Erscheinen der Neuauflage als Taschenbuch in der Verlagsgruppe Droemer Knaur (November 2014) habe ich mich auch endlich an diese hoch gelobte Dystopie von Thomas Thiemeyer gewagt.
Bei dem Stichwort "hochgelobte Dystopie" sind die Erwartungen natürlich immer gleich sehr hoch. Nicht jedem Buch tut das so gut. Doch dieses Buch hat sich ganz gut geschlagen!
Wer meine anderen Dystopie-Rezensionen kennt, der weiß, dass ich dieses Genre zwar gerne lese, aber immer auch mit einem kritischen Auge. Kritisch, weil für mich das Genre Dystopie automatisch mit der Verantwortung einhergeht ein einigermaßen realitisches Gedankenspiel mit der Entwicklung unserer jetzigen Welt zu einer negativeren Gesellschaft zu beeinhalten. Das Ganze bekommt vor allem dadurch einen Sinn, dass dieses Gedankenspiel auf aktuelle Missstände und Fehlentwicklungen hinweisen soll. Anders ausgedrück (und ja, ich weiß, dass Wikipedia nicht das Maß aller Dinge ist): "Häufig wollen die Autoren dystopischer Geschichten mit Hilfe eines pessimistischen Zukunftsbildes auf bedenkliche Entwicklungen der Gegenwart aufmerksam machen und vor deren Folgen warnen."
Wenn wir also davon ausgehen, dass der Autor in "Das verbotene Eden" versucht zu begründen, wie eine Welt in der Männer und Frauen in verbitterter Feindschaft und das auch noch in die Zuständen, die an das tiefste Mittelalter erinnern leben, dann tun sich mir einige Fragen auf, die an Sinn und Logik dieser Zukunftsversion zweifeln. Es sind viele Kleinigkeiten, die auch schon andere Rezensenten angesprochen haben, die ich in dieser Geschichte nicht unbedingt logisch finde. Da wäre zum Beispiel die Frage, wie die Frauen an ihre ausgefallene Religion gekommen sind, wenn doch kaum mehr Schriften aus der früheren Zeit existieren; Oder wie der Zerfall der Welt und so schnell gehen und das frühere Leben so schnell in Vergessenheit geraten konnte (innerhalb von 60 Jahren); Was hat denn nun ganz genau dieser Virus damals bei Frauen und Männern bewirkt? Hätte ich das gewusst, wären mir auch andere Sachen klarer gewesen.

Ich möchte an dieser Stelle meine negative Kritik schon abschließen. Denn lässt man ein paar zweifelhafte Erklärung vom Anfang des Buches (an dem immer viel erklärt werden muss) heraus, dann weiß der Autor mit seiner Welt sehr wohl zu überzeugen. Vergesst einen Moment lang, dass wir uns nicht erklären können, wie es zu der hier beschriebenen Welt gekommen ist oder was uns der Autor damit sagen will - dann könnt ihr nämlich den Duft der wiedergewonnen Natur riechen und die Rufe von Junas Falken Camal hören. Ihr könnt die Düfte von Kräutern und selbst gebackenem Brot riechen. Ihr könnt die Kriegsbemalungen der weiblichen Kriegerinnen - Brigantinnen - sehen und werdet über die hohe Kunst der Buchbindung und altertümlichen Papierherstellung staunen. Wahrscheinlich werdet ihr genauso fasziniert sein, wie ich von dieser Welt, in der zwei Gegensätze wie Frau und Mann ganz neu lernen müssen zusammen zuleben.
Und lasst euch nicht davon abschrecken, dass es bisher nur zwei Einzelne sind, die es schaffen und den Schritt wagen -
Sie sind nur der Anfang!

"Die Zeichen stehen auf Sturm, und es ist möglich, dass er uns alle vom Antlitz dieser Welt fegen wird." (S. 359)

Viele eindrucksvolle und interessante Charaktere werden in diesem ersten Teil eingeführt und dürfen wohl auch in den nächsten beiden bestaunt werden.
Natürlich ist nicht alles rosarot in dieser Welt - eher das Gegenteil: Die Frauen bezeichnen die Männer als Teufel, denn sie greifen ihre Dörfer an und hinterlassen oft Verwüstung - vor allem Mitglieder der sogenannten "Heiligen Lanze" der Männer sind fanatisch, bis an die Zähne bewaffnet und verbreiten Angst und Schrecken.
Die Männer auf der anderen Seite nennen die Frauen "Hexen", denn auch das schwache Geschlecht hat es in diesem Buch faustdick hinter den Ohren. Sie hassen die Männer abgrundtief und schrecken auch vor Folter nicht zurück. Auch Juna ist anfangs von der grundsätzlichen Boshaftigkeit der Männer überzeugt. Warum nimmt ihre Mutter dieses abscheuliche Geschlecht bloß immer wieder in Schutz? Was verheimlicht sie ihr? Doch erst als Juna auf David trifft gerät ihre Welt und alles woran sie bisher geglaubt hat ins Wanken. Nur muss sich Juna schnell entscheiden, wenn sie David retten will!

Eine interessante Geschichte, die vor allem in der zweiten Hälfte des Buches Fahrt auf nimmt, durch Spannung überzeugt und kaum mehr aus der Hand zu legen ist.
Besonders gut gefallen hat mir die Liebesgeschichte zwischen Juna und David, denn sie stand überraschender Weise nicht im Vordergrund. Sie war eher hintergründig und zart. Die Beziehung zwischen den beiden hat sich für mich echt und greifbar angefühlt. Da die Geschichte zwischenzeitig etwas brutal (aber nicht übertrieben oder unnötig) ist und ein gutes Unterscheidungsvermögen zwischen Recht und Unrecht erfordert würde ich das Buch ab 14 Jahren empfehlen. Ansonsten ist es für Genre-Fans jeden Alters geeignet und bietet viel Spannung.

Sonstiges:
Der erste Teil ist als Gebundene Ausgabe bereits vergriffen. Am 3. November wird Teil 1 bis 3 aber als Taschenbuch erscheinen (LINK zum Ersten).






Leider hat mir der dystopische Teil nicht so gut gefallen und auch ein paar Lücken am Anfang haben mich gestört. Ich hätte mir mehr Vielschichtigkeit gewünscht.
Danach nimmt das Buch aber Fahrt auf und überzeugt durch eine faszinierende Welt, interessante Charaktere, eine zarte Liebesgeschichte und ganz viel Spannung bis zum Schluss.

Ein Leseempfehlung für alle, die gerne ein spannendes Jugendbuch lesen wollen, indem keine unterschwellige Gesellschaftskritik Platz fand. Trotzdem habe ich es verschlungen und genossen und werde die Reihe mit großem Interesse weiter verfolgen.



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