Dienstag, 28. Oktober 2014

Rezension: Und Gott sprach: Wir müssen reden! von Hans Rath




Autor: Hans Rath
Genre: Humorvolle Literatur
Reihe (Rezensionen im Garten):
Verlag: Rowohlt Verlag
Erstmals erschienen: 06. November 2012
ISBN: 978-3-4992-5981-4
Taschenbuch: 272 Seiten; 14,95€
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Herrlich mit Herz







"Den Psychotherapeuten Jakob Jakobi hat das Glück verlassen. Geschieden, pleite und beruflich gescheitert: So gebeutelt trifft Jakobi auf Abel Baumann, einen ebenfalls glücklosen Zirkusclown. Der leidet offenbar an einer kuriosen Persönlichkeitsstörung, denn er hält sich für Gott. Und sucht einen Therapeuten. Jakob ist fasziniert von den vielfältigen, seiner Meinung nach aber komplett irdischen Talenten des sympathischen Spinners. Doch bald ist der Psychologe nicht mehr so sicher, mit wem er es wirklich zu tun hat. Und wer hier eigentlich wem hilft."







Auch hier haben wir wieder einen Roman vor uns, dessen Erfolg stark von den Erwartungen des Lesers abhängt. Die Sprache ist zweifellos witzig, originell, die Ereignisse überspannt, überspitzt. Wie steht es aber mit der Tiefsinnigkeit, Vielschichtigkeit, Ernsthaftigkeit, ihr wisst schon: All das, was bei humorvoller Literatur nicht selbstverständlich, aber doch irgendwie wünschenswert ist.

Vorweg: Dieser Roman missioniert nicht, macht sich aber auch nicht auf unfaire Weise lustig über den christlichen Glauben. Er bleibt neutral und defensiv genug, dass jeder ihn lesen und seinen Spaß daran finden kann.

Sehr gut haben mir Hans Rath's Figuren gefallen. Besonders Jakob muss man einfach ins Herz schließen. Aber auch seine Mutter, seine Ex-Frau und nicht zu letzt Abel Baumann (alias Gott) sind sehr sympathisch und vielschichtig. Ich konnte ihre Charaktere und Entscheidungen nachvollziehen und habe sie sehr lieb gewonnen.

Der Einstieg in den Plot gelingt Rath sehr gut. Wir lernen erst einmal alle kennen. Trotzdem ist immer etwas los und die Lachmuskeln dürfen sich schon einmal aufwärmen. Lustig geht es weiter, bis man Abels Familie (Maria und Josef) im den Tiefen Bayerns besucht. Langsam bekommt der Roman einen immer ernsteren Klang. Gelacht und gewitzelt wird trotzdem noch viel, aber die aufkommende Ernsthaftigkeit gibt der Geschichte eine gelungene, abwechslungsreiche Wendung und Jakobs Charakter die richtige Tiefe.
Hans Rath legt Wert darauf, dass - obwohl die Unterhaltung bei dem Buch im Mittelpunkt steht - der Hauptcharakter sich weiterentwickelt und seinen Blickwinkel auf eine sehr schöne Weise ändert.
Über das Ende kann ich gar nicht so viel sagen. Auf der einen Seite, weil ich es nicht vorwegnehmen will, auf der anderen Seite aber auch, weil ich immer noch über seine Bedeutung grüble. Und genau das finde ich schön, denn ich glaube, dass sich jeder seine eigene Bedeutung heraussuchen darf

Vieles, was im Buch passiert ist aus dem Leben gegriffen, Anderes wird dagegen sehr überspitzt dargestellt.
Gibt es vielleicht zu viele Zufälle, sind die Ereignisse zu überzogen?
Von mir gibt es ein 'Nein'! Natürlich ist Manches bewusst überzogen dargestellt, aber ist man mit Gott unterwegs, ist es gut möglich, dass scheinbar Unmögliches passiert. Der ist schließlich immer für Überraschungen gut.

Der Schreibstil ist locker, flockig, lustig, flüssig und - natürlich - humorvoll. Hat mir rundrum gut gefallen und mich von Anfang an unterhalten.
Die Grundidee allein, dass Gott als Mensch - okay, den Teil kennen wir schon - auf die Erde kommt und dann aber in Therapie gehen muss, die lebensnahe Art, wie Gott dargestellt wird ist einzigartig und bezaubernd.
Letztendlich ist es aber 'nur' ein Roman. Hans Rath stellt nicht den Anspruch Gott so darzustellen, wie er ihn sieht, sondern eine innovative Idee umzusetzen. Der Leser sollte demnach auch nicht den Anspruch haben, das Gottesbild im Roman zu teilen, sondern einfach die Unterhaltungsliteratur genießen.






Das Buch empfehle ich allen, die sich durch den Klappentext angesprochen fühlen. Hier wird weder missioniert, noch findet ihr bahnbrechende theologische Besprechungen oder gar bösartige Angriffe auf das Christentum. Es werden lediglich augenzwinkernd ein paar Riten durch den Kakao gezogen. Es darf herzlich gelacht werden, wobei auch die etwas ernsten Seiten des Lebens nicht zu kurz kommen.
Viel Wein, Wortwitz, Schnee, Krankenhäuser, Patrick Steward, Gourmet Burger, europaweit gesuchte Verbrecher, Glücksspiel, bayerische Weißwürste und noch mehr Wein erwartet euch! Mit Gott wird es halt nie langweilig.

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